R8-Augustinus Fenster

Es folgt nun im südlichen Seitenschiff das Augustinus-Fenster.

So wollen wir es nennen wegen des unteren Bildes, das eine Szene aus dem Leben des großen Bischofs und Kirchenvaters darstellt. Dieser erzählt in seiner Lebensbeschreibung, (Confessiones V 8), wie er seine Heimat Nord-Afrika verließ, um gegen Rom zu reisen. Dabei täuschte er seine Mutter, die hl. Monika. 

Er schreibt über sie: " die mir noch bis ans Meeresgestade folgte ... Und ich belog die Mutter, und welche Mutter! ... Doch in derselben Nacht stach ich heimlich in See - und ohne sie. Sie blieb zurück mit Weinen und Beten.. Es wehte der Wind und schwellte unsere Segel und entzog unseren Blicken das Gestade, wo am Morgen die Mutter sinnlos vor Schmerz seufzte und klagte." - Beim alten Carthago, nahe beim Meerasstrand, wo dies geschah, steht heute ein Klösterchen mit der Widmung: Piis lacrimus S. Monicae - Den frommen Tränen der hl. Monika.

Wir sehen im Vordergrund des Bildes die hl. Mutter Monika am Ufer des Meeres knien. Voll Enttäuschung und Trauer streckt sie die Hände nach Ihrem Sohn Augustinus aus, der auf dem Heck eines Schiffes sitzt. Dieser wendet sieh ihr noch einmal zu, weist aber mit der Linken in die Ferne, nach Rom, dem Ziel seiner Sehnsucht. 

Es ist Nacht; Mond und Sterile stehen am Himmel. Das Schiff ist soeben abgefahren. Zwei Schiffs¬teilte fassen die Ruder, ein dritter Schiffsmann lichtet den Anker, ein Vierter zieht die Segel hoch. Im Hintergrund erscheint die Stadt Carthago - ein Fantasiebild: Eher eine mittelalterliche deutsche Stadt als  das antike Carthargo auf dem Byrsa-Hügel.

Mit dem Hild der trauernden Mutter Monika illustriert hier der Maler die Seligpreisung, die darunter geschrieben steht: Selig die Trauerden, denn sie werden getröstet werden.

Dem entspricht in dem mittleren Bild links darüber eine trauernde Frau. Ein Engel erscheint ihr, zeigt zum Himmel und sagt ihr ein tröstendes Wort. Dieser Frau, die die Traurigkeit versinnbildet, gilt dieselbe Seligpreisung wie der Mutter Monika: Beati qui lugent - Selig die Trauernden.

Als Gegenstück hierzu Steht in dem mittleren Bild noch eine andere Frau. Sie schaut aufmerksam nur eine Waage, die eine Hand von oben ihr vor Augen hält. Darunter stehen die Worte: Beati qui esuriunt - Selig, die Hungernden. Die Frau mit der Waage versinnbildet die Gerechtigkeit und ist eine Ergänzung zu dem oberen Bild und der dazu gehörenden Seligpreisung.

Im Mittelpunkt des oberen Bildes steht wieder ein Heiliger, nämlich Gottfried von Cappenberg (1097 - 1127) Dieser war vermählt mit Jutta, einer Tochter des Grafen Friedrich von Arnsberg. Er wurde tief beeindruckt von dem Armutsideal des hl. Norbert, des Gründers des Prämonstantenserordens, vermachte diesem 1122 seine Burg Cappenberg (ebenso auch Varlar bei Coesfeld und Ilbenstadt in Hessen) und wurde selbst Mönch. 

Seine Gattin hatte eingewIligt und war Klosterfrau geworden. Gottfried, ein Wohltäter der Armen, starb, erst dreißig Jahre alt, in Ilbentadt. 

Wir sehen im Bilde, wie Gottfried von Jutta, beide noch reich und vornehm gekleidet, Abschied nimmt, um sich den Prämonstrantensermönchen zuzuwenden. 

Links im Hintergrund ist schon die heutige Cappenberger Kirche, ein sehr beachtenswertes Baudenkmal, mit ins Bild genommen. (Vgl. die heutige Felizitaskirche im Ludgerusfenster.) Unter dem Bilde lesen wir die Seligpreisung: 
Selig die Hunger und Durst haben nach der  Gerechtigkeit, denn sie werden getröstet werden.

Die Zuordnung dieser Seligpreisung zu dem Bild von Gottfried und Jutta mag schwer verständlich erscheinen. Es kommt auf das Wort Gerechtigkeit an. Diese darf man hier  nicht in dem engeren  Sinne sozialer Gerechtigkeit verstehen (Gerechtigkeit gegen den Nächsten): Suum cuique - Jedem das Seine; dazu passt die Frau mit der Waage), sondern muss sie im weiteren biblischen Sinne nehmen als Gerechtigkeit und Gehorsam gegen Gott, als sittenreines Leben, als Christusnachfolge. Die Menschen, die in diesem Sinne gerecht sind, preist Jesus selig, und zu diesen gehörte auch Gottfried von Cappenberg.  An ihm will der Maler veranschaulichen, wie man die Gerechtigkeit im Sinne Jesu verwirklichen kann.

Ganz unten auf dem Rand des Fensters lesen wir, dass dieses eine Stiftung der Familie Ermann ist:  Dedicat(um) a Familia Ermann, Anno Dom(ini) 1900